Frühling und Lämmer

Frühling & Lämmer

 

Das Jahr schreitet voran und langsam wächst es hier im Weinberg auch wieder. Wir freuen uns natürlich über die frischen, saftigen Gräser und Kräuter, auch wenn sich unsere Verdauung erstmal wieder daran anpassen muss. Mitte Februar wurde es dann nochmal richtig kalt hier und es lag sogar nochmal Schnee – da sagt noch einer in Freiburg gäbe es keinen Winter. Damit ist es jetzt hoffentlich vorbei. 

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In dieser kalten Zeit sind von den „Shropies“ unser Spitzname für die Shropshire-Schafe, auch die ersten Lämmer auf die Welt gekommen – vier Stück. Die Mutterschafe haben das alles problemlos gemacht und sich von Anfang an gut um die Lämmer gekümmert. Ich hatte ihnen ja noch Geburtshilfe angeboten, aber das war nicht nötig. Da lobe ich mir die Robustheit unserer beiden Rassen. 

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Bei Lämmern und Mutterschafen, muss ich direkt an meine Großmutter Irma denken, die mir als junges Lamm erzählt hat, wie es früher in den Weinbergen zu ging. Die Winzer waren noch nicht so auf den Weinanbau spezialisiert wie heute. Der landwirtschaftliche Betrieb war vielseitig aufgestellt und die Erzeugnisse dienten auch dem eigenen Verbrauch. Am Hof sprangen alle möglichen Tiere herum, die, wenn es zeitlich passte auch in den Weinberg zum Weiden getrieben wurden. Wir Schafe durften meistens nur im Winter raus, damit wir das Laub der Reben nicht abfressen. Manchmal zog auch ein Schäfer mit seiner großen Herde über die Flächen, darüber freute sich der Winzer, da er so quasi umsonst jede Menge Dünger in seinen Weinberg bekam. Der Schäfer freute sich über das Futter für seine Schafe. Im Sommer grasten dann die Hühner und Gänse und manchmal sogar Schweine im Weinberg. Die näher am Hof gelegenen Flächen wurden teilweise zum Anbau von Gemüse und anderen Feldfrüchten zwischen den Rebstöcken genutzt. Traktoren gab es da noch nicht und es war knochenharte Arbeit mehrmals während der Vegetationsperiode im Unterstockbereich mit der Hand zu hacken. 

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In diesem vielfältigen System, welches über Generationen so bewirtschaftet wurde, entwickelte sich sogar eine eigene Pflanzengesellschaft; die sogenannte Weinbergslauch-Gesellschaft (Geranio-Allietum vinealis). Hier konnten sich vor allem Zwiebelgeophyten behaupten, die einen Großteil des Jahres als Zwiebel in der Erde überdauern. Bekannte Arten sind die Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) oder die Weinbergstulpe (Tulipa sylvestris). Beide Arten waren früher in Weinbauregionen weit verbreitet, in den letzten Jahren ist ihr Vorkommen zunehmend zurückgegangen. 

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Wie die uns Schafen schmecken wissen wir  nicht wirklich, da es sie ja nicht mehr so oft gibt. Vermutlich sind die besonderen Arten mir aber zu scharf (nicht Schaf!) und ich fresse lieber die anderen Pflanzen. Damit könnten wir einen weiteren Beitrag zur Erhöhung der Vielfalt im Weinberg leisten und diese Arten fördern. 

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Jette ermahnt mich gerade, dass ich schon wieder ziemlich abgeschweift bin. Wo waren wir? – Ah ja, bei den Lämmern und Mutterschafen. Anfang März ging es dann weiter und ein weiteres Shropshire-Lamm wurde geboren und es kommen noch mehr. Ich sag euch, bald können wir einen Kindergarten aufmachen, die Betreuung übernimmt aber dann Jette, mir ist das zu stressig. 

Neulich hab ich noch ein Mäh-legramm von meiner Cousine in Kalifornien erhalten. Sie meinte, dass sie mit ihrer Herde dort auch schon länger in den Weinbergen grasen. Einige Pioniere haben nun das System „Schafe im Weinberg“ weitergesponnen und neue Weinberge so angelegt, dass die Reben hoch über der Weide wachsen und Schafe und Menschen problemlos darunter durchlaufen können. Sie ärgert sich, weil sie jetzt nicht mehr an die leckeren Weinblätter kommt, allerdings kann sie mit ihrer 700-köpfigen Herde das ganze Jahr auf den Flächen grasen. Traktoren sind dort bis auf die Ernte und vereinzelt Pflanzenschutz fast nicht mehr nötig. Bis es bei uns soweit ist dauert es wohl noch etwas. Allerdings gibt es auch hierzulande weitere Reberziehungsformen, wie die sogenannte Umkehrerziehung, wo die Triebe von oben herab wachsen und wir Schafe das ganze Jahr problemlos im Weinberg bleiben können. 

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Eine Krähe behauptete kürzlich, dass der Schafswein abgefüllt wurde und bald in den Verkauf kommt. Na da bin ich mal gespannt was ihr dazu sagt und ob ihr unsere harte Mäh-Arbeit im Weinberg herausschmeckt. 

Ich freu mich auf den Frühling! 

Eure Rosalie

 

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  • Frühlingsgrüße

    Liebe Jette,
    es ist jedesmal ein Vergnügen dein Schafsblog zu lesen (amüsant, lustig, bringt einem zum Lachen, schöne Bilder dabei). Mach weiter so :-)