Heute wird es haarig

Mäh, liebe Leserinnen und Leser!


Nachdem Sie in unserem letzten Beitrag von Oskar (wieder) ausgiebig in die Erkenntnisse der Grashalmwissenschaften entführt wurden, dürfte Ihnen heute der Sinn nach etwas Gehaltvollem stehen!

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Also: Unser Schäfer war letztes Jahr auf einer Messe, bei der neue Produktionsverfahren für Naturmaterialien vorgestellt wurden. Sie werden es nicht glauben: Dort philosophierte ein „Startup“ über ein „innovatives“ technisch-chemisches Verfahren, mit dem aus Gras Textilfasern hergestellt werden sollen.
Als ich das hörte, liebe Freunde der kleinen Wiederkäuer, fiel ich vom Glauben ab. Menschheit! Seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend produzieren wir Schafe für Euch das exquisite Naturprodukt Wolle! Wir machen seit Jahrtausenden aus Gras Textilfasern! Da muss nichts neu erfunden werden.
Und damit das mal klargestellt ist: Unsere Wolle ist selbstreinigend, nimmt kaum Gerüche auf, ist schmutzabweisend, knittert nicht, hat einen perfekten Wärmeaustausch und – jetzt kommt’s – wir brauchen keine Chemie zur Produktion.

Soll ich Ihnen noch was verraten? Unsere Wolle ist auch in den Reben ein phantastisches Beiprodukt!

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Hier und da haben Winzer Probleme mit unseren Kollegen Reh und Waschbär. Die naschen an den Trauben, schälen an den Rebstöcken und erscheinen mir in vielerlei Hinsicht recht sonderbar. Aus irgendeinem Grund können sie unsere Wolle nicht riechen (ich sag ja: „sonderbar!“) und meiden deshalb Weingärten, in denen Schafe eingesetzt wurden. Problem gelöst!

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Damit nicht genug! Die Wolle kann der Winzer bei der Pflanzung junger Reben einsetzen.
Wolle ist der perfekte Langzeitdünger und ein super Wasserspeicher für Pflanzenwurzeln. Im Staatsweingut wird die Wolle bei Pflanzungen schon genutzt!
Ich selbst muss sagen, dass mir ein Wollpullover als Endprodukt am allerbesten gefällt. Deshalb trage ich ihn auch das ganze Jahr.

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Nur einmal im Frühjahr kommt der Friseur und dann bekommen Sie die Gelegenheit, meinen Pulli zu erstehen! Ganz neumodisch nennt man das ja auch "up-cyceling". Schafe braucht das Land!


Herzlich,
Euer Tom

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  • Wolle zum Wein

    Ich kann Dir nur aus vollem Herzen zustimmen, lieber Tom, Wolle ist was Wunderbares: temperaturausgleichend, muffelresistent, schmutzabweisend, kann oft einfach ausgelüftet werden, statt in die Waschmaschine zu müssen und sooooo vielseitig zu verarbeiten, ein rundum gelungenes Kreislaufweirtschafts-Produkt. Da ist es eine wahre Schande, dass man für Eure tolle Wolle so gut wie keinen Erlös mehr bekommt, wie euer Schäfer mal bei einem Vortrag sagte. Aber vielleicht findet sich ein lokaler kleiner Betrieb, der aus Eurem Haarkleid Wollwalk oder Wollfilz macht, den man dann zu Flaschentaschen, Untersetzern für Gläser und Flaschen sowie evtl. sogar Tragetaschen, Schuhen etc. weiterverarbeiten kann. Das wäre doch das perfekte Geschenk zu einer guten Flasche Wein vom Staatsweingut, findest Du nicht?
    Ich freue mich jeden Monat über Deine und Oskars interessante Blogbeiträge und grüße Euch und Euren Schäfer herzlich
    Astrid Ogbeiwi

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  • Schafe braucht der Wingert!

    Schön, wieder von Euch zu hören! Schafe im Weinberg hat sich anfangs etwas seltsam angehört, scheint aber gut zu funktionieren. Ich wünsche Euch eine schöne Zeit im Weinberg!